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30 Jahre theater
VIEL LÄRM UM NICHTS

 
   

Premiere 30. April 2015 | 20 Uhr

Bis 27. Juni
jeweils DO, FR, SA | 20 Uhr
Keine Vorstellung am 2. Mai

Die Nashörner
Rhinocéros
von
Eugène Ionesco

DIE ANGESTELLTE, DAISY
Melda Hazirci
HANS
Sebastian Krawczynski /
Sebastian Kalhammer
DER LOGIKER, FAU OCHS,
EIN FEUERWEHRMANN
Chris Mancin
DIE HAUSFRAU, FRAU WISSER
Marion Niederländer
DER LADENBESITZER, HERR STECH
Sven Schöcker
DER HERR MIT FLIEGE,
HERR SCHMETTERLING
Alexander Wagner
BEHRINGER
Philipp Weiche

Regie
Andreas Seyferth
Regieassistenz
Lyla Cestier
Bühne / Videos
Peter Schultze
Kostüm
Johannes Schrödl
Klangdesign
Kai Taschner
Lichtdesign
Jo Hübner
Flyer:
Martina Körner

Ein idyllischer Sonntagvormittag in einer beschaulichen Stadt.
Durch die aus heiterem Himmel ein Nashorn tobt.

Und noch eins - oder war 's dasselbe?
Und hat es ein oder zwei Hörner?
Während die Menschen die Hornfrage debattieren
und ansonsten eins sind in der Ablehnung dieses Phänomens
("Das ist doch die Höhe!"),
ereignen sich seltsame Verwandlungen...
An deren Ende die Rhinozeritis Besitz ergriffen hat von Stadt und Mensch,
bis nichts und niemand mehr übrig ist. Doch:
Einer hält dem Grauen der fidelen Horden stand:
Der letzte Mensch, ein tragikomischer, etwas verwahrloster Held,
der sich sein Leben immer schon erträglich saufen musste...
Wer infiziert ist,
liefert durchaus Argumente
für seine Bereitschaft zum Wandel:
Man könne die Freunde nicht im Stich lassen,
müsse mit der Zeit gehen,
Widerstand sei am besten von innen zu leisten;
und dann: die ungeheure Kraft dieser Bewegung! -
So reißt es einen nach der anderen hin und mit,
bis auch die letzte menschliche Sprechblase sich aufgelöst hat
in martialisches Schnauben...

Eine fabulös-fürchterliche Farce
vom Meister des Theaters des Absurden.
Ein Stück über Verrohung und kollektiven Wahn.
Und eine Feier des letzten Eigensinnigen,
der auf seinem Menschsein besteht.

"Es wird vorbeigehen."
Herr Stech

"Die Komik bei Ionesco ist nur [...] das notwendige Mittel, um uns in unseren intellektuellen Gewohnheiten zu erschüttern, in unserem Rationalismus [...]. Wir hätten das legitime Recht, von Panik erfasst zu sein, aber alles, was wir tun können, ist lachen."
Alain Robbe-Grillet

Es ist sehr seltsam. Dieses Stück über die Einsamkeit, über den Individualismus wurde überall gespielt. Es hatte mehr Erfolg als irgendein anderes meiner Stücke. Da hieß es: "Die Massen lieben dieses Stück. Steckt darin nicht eine widersprüchliche Verirrung?" Darauf gebe ich zur Antwort. "Nein." Ich glaube, man liebt dieses Stück überall auf der Welt, weil alle Länder auf der Welt, im Osten wie im Westen, mehr oder weniger kollektiviert sind. Ich habe mehr oder weniger unbewusst den Finger auf ein schreckliches Problem gelegt: die Entpersönlichung. Denn in jeder modernen Gesellschaft sehnen sich die kollektivierten Individuen nach der Einsamkeit, nach einem persönlichen Leben. Das Stück hat in allen Zuschauern den Bérenger [Behringer] geweckt, der in jedem von uns schläft. Das hat J. L. Barrault zu mir gesagt. Wer eine Seele hat, gleicht den anderen nicht. [...] Bérenger ist auf bestimmte Weise die Verkörperung des einsamen Menschen von heute.
Eugène Ionesco / Claude Bonnefoy, Bekenntnisse und Gespräche/ Zürich 1969

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