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31 Jahre theater
VIEL LÄRM UM NICHTS

 
   

Premiere 29. Dezember 2012 | 20 Uhr

Ab 3. Januar bis 9. März
jeweils DO, FR, SA | 20 Uhr
Keine Vorstellung am 22. Februar

Arthur Schnitzlers Groteske
Der grüne Kakadu
Eine sonderbare und nicht unbedenkliche Komödie, die sich
am Abend des 14. Juli 1789 in einer Spelunke in Paris abspielt.

Prospère
Marion Niederländer
Henri
Stephan Joachim
Grasset, Grain, Rollin
Sven Schöcker
Juliette, Léocadie
Judith Bopp
Scaevola, Vicomte von Nogeant,
Marquis von Lansac
Walter von Hauff
Chevalier de la Tremouille
Theresa Bendel
Michette, Séverine
Ute Pauer
Lebrêt, Kommissär,
Herzog von Cadignan, Balthasar
Robert Ludewig

Regie
Andreas Seyferth
Assistenz
Astrid Polak
Kostüm
Johannes Schrödl
Lichtdesign
Jo Hübner
Klangdesign
Kai Taschner
Flyer:
Martina Körner

- Ich schwöre, dass das keine Komödie ist.
- Freilich nicht, überall blitzt etwas Wirkliches durch.
Das ist ja das Entzückende!

Wem sein Theater pleite ging, wird Wirt:
Prospère hat ihr Pariser Kellerloch in eine Kaschemme
mit kriminellem Flair umfunktioniert und macht einen auf 'revolutionär':
Während sie selbst den adligen Gästen ihres Etablissements
Derbes an die erlauchten Rüben pfeffert
(betreffs Dero Gnaden geistig-moralischen Verkommenheiten
und der folglich fälligen Hinrichtung)
lässt sie Ex-Truppen-Mitglieder
(soweit sie nicht in die Politik gegangen sind)
als 'echte' Missetäter auftreten und die Kundschaft
mit Berichten 'wahrer' (heißt selbst begangener)
Verbrechen bespaßen.

Event-Gastronomie halt.
Für Leute, die das Authentische suchen, den Kick,
den wohligen Gruselschauer, der einem die Unwägbarkeiten
der Wirklichkeit vom Leib hält.

Das Ganze läuft aus dem Ruder,
als Prospères Star-Mime Henri seinen angekündigten Glanzauftritt hinlegt:
Er gesteht, soeben aus Eifersucht einen wirklichen Herzog
wirklich ermordet zu haben. Da der wirkliche Herzog eine wirkliche Affäre
mit Henris wirklicher Gattin hat, glaubt man ihm aufs Wort.
Bis der Herzog den Schauplatz als wahrhaft Lebender betritt -
während draußen die Massen die Bastille stürmen,
und das Unheil seinen wirklich wahren Lauf nimmt…
Oder gehört auch das zur Show ...?

Ineinandergreifen von Spiel und Realität,
verschwimmende Grenzen, Wirklichkeit des Scheins,
Nicht-Wirklichkeit des Seins:
'Sicherheit ist nirgends.'
Die Welt als Bühne, die Bühne als Welt,
in der man permanent Täuschungen unterliegt
(weil permanent Täuschungen produziert werden);
in der ein Schmierenkomödiant nahtlos Karriere in der 'großen Politik'
machen kann; in der Inhalt nichts und alles Spektakel ist; in der sich
die bedrohliche Realität hinter Gesprächen über Ästhetik 'verspielt'
und persönliche Racheakte uminterpretiert werden in revolutionäre Taten.
Eine Bühnenwelt, in der das Geschehen in völlige Orientierungslosigkeit mündet -
Derweil Theatermacher den Traum von der Welt bewegenden
Macht der Kunst träumen…

WIRTIN Sie werden bemerken, dass hier gar nichts Aufrührerisches vorgeht,
schon aus dem Grunde, weil mein Publikum sich nicht aufrühren lässt.
Es wird hier einfach Theater gespielt – das ist alles.


Arthur Schnitzler (1862 – 1931)
Protagonist der 'Wiener Moderne'; Anfang des 20. Jahrhunderts
einer der meistgespielten Dramatiker. Autor von Novellen und Erzählungen.
Als praktizierender Arzt zunächst in den Fußstapfen seines Vaters,
der als Laryngologe eine Poliklinik leitet (und die Kehlen
der Wiener Theaterwelt betreut). Die Schnitzlers gehören
dem assimilierten jüdischen Großbürgertum an.
Arthur studiert Medizin und schreibt.
Daneben widmet er sich einer bisweilen
existenzgefährdenden Spielleidenschaft, ausgiebigen
Kaffeehausbesuchen und zahlreichen Affären …
Fasziniert ist er von der Psychoanalyse.
Sie und seine Praxis als Allgemeinmediziner bestimmen auch
das literarische Schaffen. Sein Forschungsgegenstand: die inneren
und äußeren Fäden, an denen Mann wie Frau hängen. Wie eine/r spielt
und gespielt wird. Er seziert die Fassaden seiner Zeitgenossen:
Die vermeintlichen Gewissheiten, die falschen Selbst- und Weltbilder
der Wiener Gesellschaft des Fin de Siècle. Und er scheut keine Konflikte.
Seine Novelle LEUTNANT GUSTL bringt ihm die Aberkennung seines
Offiziersrangs als Oberarzt der Reserve ein; das Drama PROFESSOR
BERNHARDI, das den herrschenden Antisemitismus offen zum Thema hat,
wird von der Zensur verboten. DER REIGEN löst einen handfesten
Skandal aus, gefolgt von einem Prozess wegen Erregung öffentlichen
Ärgernisses – alles immer begleitet von antisemitischen Hasstiraden.
DER GRÜNE KAKADU
wird am 1. März 1899 am Wiener Burgtheater uraufgeführt
und nach der dritten Aufführung auf Wunsch einer einzelnen Dame
(eines Mitglied der kaiserlichen Familie) abgesetzt.
Doch die Tage der Habsburger Monarchie
- wie die des Ancien Régime gut hundert Jahre vorher -
sind gezählt: Im ersten Weltkrieg (für den Schnitzler
nicht die gewünschte Begeisterung aufbringt)
versinkt auch die k. u. k. Monarchie.

Was wir Illusion nennen,
ist entweder Wahn, Irrtum oder Selbstbetrug,
- wenn sie nicht eine höhere Wirklichkeit bedeutet,
die als solche anerkennen wir zu bescheiden,
zu skeptisch oder zu zaghaft sind.
Arthur Schnitzler

 

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