Archiv
30 Jahre theater
VIEL LÄRM UM NICHTS

 
   
Das sehen Sie nicht jeden Tag...

Uraufführung 4. Oktober 2008 . 20 Uhr
Vorstellungen:
donnerstags, freitags, samstags 20 Uhr

LEW TOLSTOIs
HADSCHI MURAT

Die Geschichte eines awarischen Helden

 

 

 

mit

Anna Budde
Margrit Carls
Walter von Hauff
Robert Heinle

sowie

Urte Gudian
& Ardhi Engl

 

Regie Andreas Seyferth
Fassung Margrit Carls
Lichtdesign: Jo Hübner
Kostüme: Johannes Schrödl
Masken: Andre Kraus

Tolstoi und der legendäre Hadschi Murat:
eine Liebesgeschichte mit anfänglichem Vor- bzw. Fehlurteil.

1851: Tolstoi ist auf "Abenteuerurlaub" im Kaukasus, bei den Truppen des Zaren. Das Russische Reich betreibt seine Kolonialpolitik nicht in Übersee: der Bär bläht sich über die eigenen Grenzen. Der Kaukasus scheint leichte Beute. Der Schein trügt.
In den Bergen leben stolze Völker, die keine Herren kennen und außer ihren Familien vor allem eines lieben: ihre Freiheit.
Und sie sind große Krieger… in einem langen Krieg…
1851 läuft der Kühnste zu den Russen über.
Eine Sensation.
Eine Gemeinheit:
schreibt der junge Graf Tolstoi an seinen Bruder.

50 Jahre später setzt der alte Dichter, Prediger von Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe, dem wilden Krieger und vermeintlichen Verräter ein Denkmal.
Er hat recherchiert.

Hadschi Murat: geboren in Dagestan, Aware, Muslim.
Wächst hinein in den aufflammenden "Muridismus": religiöses Fundament des kaukasischen Widerstands, das die Bergvölker im Heiligen Krieg einen soll. Doch nicht jeder will gegen die Russen kämpfen. Die Khane, bei denen der junge Hadschi Murat lebt, wollen nicht. Der Imam lässt die Familie auslöschen, Hadschi Murat rächt sie: tötet den Imam. Entscheidet sich für die Russen. Wird Opfer von Verleumdung und inhaftiert. Nach dramatischer Flucht schließt er sich dann doch den Muriden unter dem neuen Imam Schamil an. Erwirbt Macht und Ruhm. Wird zu mächtig für Schamil. Sein Tod ist beschlossen; jemand warnt ihn. Er flieht; liefert sich (1851) den Russen aus. Seine Familie ist in der Gewalt Schamils. Er bietet den Militärs seine Dienste an im Kampf gegen Schamil, wenn sie zuvor die Seinen befreien. Der Exot wird bestaunt in den Salons und hingehalten in den Kanzleien. Am Ende ist er wieder auf der Flucht: in die Berge, um seine Familie zu retten…


"… für mich die beste Erzählung der Welt
oder zumindest die beste, die ich je gelesen habe."

Harold Bloom

Einer zwischen den Fronten also.
Ein Überlebenskämpfer.
Ein Mensch: von kindlicher Gutmütigkeit und rachsüchtiger Wildheit. Tief religiös. Familienmensch. Stolz. Bedachtsam. Höflich. Gerissen. Mit einem hinreißenden Lächeln. Dünkelhaft. Unberechenbar. Undurchschaubar.
Ein Fremder.
Eine Projektionsfläche.
Wie alle Helden.
Jeder macht sich sein Bild.
Tolstoi ist einer, der den Blick schärft. Gegen das Vor-Urteil. Für die, die sehen wollen… Beweglichkeit im Blickwinkel und Güte im Herzen: dafür plädiert er. Dann ist möglich, was schwer fällt: Auszuhalten, dass das Fremde fremd ist. Tolstoi empfiehlt es in Gestalt von Hadschi Murat unserer Achtung.

Wir erzählen seine Geschichte auf eine Weise, die Raum lässt für Tolstois Poesie, seine subtile Komik und die grimmige Satire, die er den Mächtigen angedeihen lässt. Aus unterschiedlichen Perspektiven setzt sich das Puzzle HADSCHI MURAT zusammen. Im Zentrum der Aufführung stehen Klang und Bewegung - dafür erstmals im Team: Urte Gudian und Ardhi Engl.

Anrührend, spannend, poetisch, wild, subtil und satirisch –
und leider unvermindert aktuell: Ein ungewöhnlicher Abend
über ein außergewöhnliches Leben.

 

Fotos der Aufführung & Kritiken
Mehr zu Hadschi Murat
Russland und der Kaukasus: 400 Jahre und kein Ende...

 

Eintritt: 18 Euro; ermäßigt 13 Euro
Schüler und Studenten 11 Euro
Gruppenpreis (ab 8 Personen): 13 Euro
Schüler- und Studentengruppen 9.- Euro
Donnerstag theatertag!
2 Euro Ermäßigung auf alle Karten