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31 Jahre theater
VIEL LÄRM UM NICHTS

 
   
Premiere 30. Dezember 2008 . 20 Uhr
Danach donnerstags, freitags, samstags 20 Uhr

SANKT DIREDARE
Aristophanes' Komödie "PLUTOS"
in einer bairischen Fassung von Josef Parzefall

 

 

 

mit

Johannes Berg
Herbert Frei
Karin Neumayr
Josef Parzefall
Claus Steigenberger
& alternierend
Florian Burgmayr/
Maria Hafner/
Evi Keglmaier/
Klaus Kleinschwärzer/
Simone Lautenschlager/
Irene Paul

Regie: Josef Parzefall
Assistenz: Anton Frank
Kostüm: Ala Freyberg
Lichtdesign: Jo Hübner

Es ist traurig...
wenn ein grundehrlicher Mensch feststellen muss:
er bringt's trotz Fleiß zu nix.
Wo andere per Tücke und Betrug zu Wohlstand kommen.
Bauer Chremylos
ist grundehrlich und fleißig und fragt sich und den Himmel,
ob er den Sohn nicht lieber die Regeln des Ganoventums lehren solle,
auf dass der es mal besser habe.

Der Himmel lässt verlautbaren:
"Häng dich an den ersten, der dir über den Weg läuft."

Der arme Bauer trifft auf einen Schwerst-Gebeutelten:
Plutos persönlich,
den vielfach missbrauchten Gott des Reichtums;
des Augenlichts beraubt vom Herrn des Olymp,
auf dass der Reichtum nie mehr den Weg finde
zu den anständigen Leuten.

Bauer Chremylos wittert Morgenluft. Die Welt soll Kopf stehen!
Wohlstand soll nur mehr da hin, wo Anstand waltet.
Heißt: Herr Plutos muss sehend werden: ab zur Augenkur!

Da stellt Frau Armut in Person sich quer
und beschwört den zivilisationsfördernden Aspekt ihrer Existenz:
Allgemeiner Wohlstand korrumpiere die Moral,
Armut sei Kultur-Garant.

Das will nun echt keiner hören, die arme Frau kriegt Haue,
und der Traum von der gerechten Verteilung irdischer Güter
kann wahr werden…

Zu guter Letzt danken dann noch die Götter ab; keiner braucht sie mehr
(die braven Armen müssen nicht mehr flehen,
und die fiesen Reichen sind eh gottlos).

Allerdings:
dem einen oder andern neuen Reichen steigt der Kies zu Kopfe:

Ex-Vermögende werden verprügelt, ein ex-betuchtes altes Fräulein kübelweise
mit Häme überschüttet…
Macht Kohle am Ende selbstgerecht?
Sind Arme wirklich bessere Menschen als Reiche?
Haben Armut und Reichtum einen moralischen Wert?
Schließen Ehrlichkeit und Reichtum einander aus?
Ist armes Leben sinnerfüllter als reiches?
Strengt sich nur an, wer hungrig ist?
Geht die Kultur zum Teufel, wenn keiner mehr Not leidet?
Was geb ich meinem armen Sohn mit auf den Weg? Werd ein Schwein, Hauptsache Kröten satt?

Fragen über Fragen.
Und seit 2400 Jahren keine befriedigende Antwort.

"PLUTOS":
Eine so phantastische wie drastische Fabel aus dem ollen Griechenland.

Oder? Wie wär's mit … München, Untergiesing.
Ein armer Schuster; Spezln aus dem Männerheim an der Pilgersheimer;
man hockt beim Kiosk an der Wittelsbacher Brücke. Alle reden (und singen) bairisch und hoffen, dass der Heilige des Kleingeldes, der so verehrte wie missbrauchte Sankt Diredare, endlich auch zu ihnen findet…

Aristophanes, der alte Satiriker, der immer mit Lokalbezügen und aktuellen Anspielungen gearbeitet hat, hätte wohl kaum was dagegen.

 

Eintritt: 18 Euro; ermäßigt 13 Euro
Schüler und Studenten 11 Euro
Gruppenpreis (ab 8 Personen): 13 Euro
Schüler- und Studentengruppen 9.- Euro
Donnerstag theatertag!
2 Euro Ermäßigung auf alle Karten

Fotos der Aufführung & Kritiken