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30 Jahre theater
VIEL LÄRM UM NICHTS

 
   

Premiere 6. Oktober 2012 | 20 Uhr

Bis 1. Dezember
jeweils DO, FR, SA | 20 Uhr

Keine Vorstellung am 8., 9., 16. + 24. November
Stattdessen Sonntag, 11., 18. sowie 25. November |
19 Uhr

ARTHUR SCHNITZLER
Anatol

Die Bewegte
Urte Gudian
Der Klangreiche
Ardhi Engl
Der Anatol
Hannes Berg
Der Max
Alexander Wagner
Die Weibliche
Deborah Müller

Regie
Andreas Seyferth
Regieassistenz
Eva Maria Reichert
Raum / Licht
Stephan Joachim
Kostüm
Johannes Schrödl
Video
Ardhi Engl
Dramaturgie
Margrit Carls
Flyer
Martina Körner
Foto
Hildegard Wegner
Mit freundlicher Genehmigung von Pendel Marionetten, Hermuthausen

MAX Wer war sie?
ANATOL
Frag das nicht. Sie hat in meinen Armen gelegen, das genügt.

Der Anatol
liebt viel und leiden kann er auch schön.
Für Ersteres hat er viele Damen,
für Letzteres einen Herrn, den Max.
Die Damen überlappen sich (zeitlich) gerne mal
(der Arthur wusste, wovon er dichtete),
der Max ist einzig und hält den Anatol auf dem Teppich
(so gut das geht).
Anatols Liebe
zu den Damen ist aber auch einzig, jedes Mal aufs Neue.
Der Anatol ist ein Extremromantiker
und Illusionskünstler. Ein Augenblicksmensch,
der sich ganz und gar hingibt: seinen Stimmungen. Leben tut er
für den 'Kick' der höchsten Herzensregung, die er mit
(mehr oder weniger) Heuchelei am Köcheln hält:
Er weiß halt um die Flüchtigkeit des Liebelns
und leidet schrecklich unter dessen Siechtum
(wobei sein Leid am größten ist, wenn er feststellen muss,
dass er nicht so inbrünstig geliebt wird, wie er es erwartet).
Fachmann für das Wesen des (Selbst-) Betrugs und Betrogen-Werdens.
Der Arthur
hat den Anatol vor gut hundertzwanzig Jahren in die Welt gesetzt
– und da er nicht gestorben ist (der Anatol),
tollt und quält und träumt er sich
durch unsere Tage wie durchs Fin seines Siècles.
Charmant, selbstgefällig, depressiv, (sehn-)süchtig, empathiebefreit,
verantwortungslos, grandios, rastlos, ratlos:
Damals ein echter Oberschichten-Spross,
heute ein echter Jedermann: WIR SIND NARZISST.
Uns bespiegelnd in unseren 'Errungenschaften',
ob es Menschen sind oder Konsumartikel.
Nichts ohne Bewunderung und 'Liebe' anderer
(für die wir uns unermüdlich 'optimieren'),
uns auf den Bühnen der Zeit in Posen werfend,
zappelnd im Gewirr der inneren und äußeren Strippen,
die man (wie frau) doch so gerne frei in der Hand hätte…
Das mag traurig sein,
aber es ist auch absurd und schräg
und ganz schön komisch:
und genau das ist
ANATOL.

Neben Deborah Müller [Goldspinner, Was ihr wollt], Hannes Berg
[Komödie der Irrungen, Fröhliches Scheitern, Henry IV, Was ihr wollt]
und Alexander Wagner [Odyssee] sind Stimm- und Tanzkünstlerin
Urte Gudian und Klang- und Videotüftler Ardhi Engl
mit von der schrägen Party; in freier Assoziation zu ANATOL
bereichern sie den Abend um ihre ureigenen Welten
des Phantastisch-Wunderlichen und Skurril-Versponnenen.

Arthur Schnitzler
Geboren 15. Mai 1862, gestorben 21. Oktober 1931
(an einer Hirnblutung), beides in Wien.
Praktizierender Arzt; Autor von Dramen, Romanen, Erzählungen
(sowie besessener [Traum-] Tagebuchschreiber).
Frauenfreund. Auch Freund von Hugo von Hofmannsthal und
Richard Beer-Hofmann (das berühmte 'Junge Wien').
Tiefenforscher im 'weiten Land' der Psyche, beherzter Analytiker der Gesellschaft.
Verfasser von 'Skandalen'. Ewiger Zweifler.
Zeitlebens antisemitischen Schmähungen ausgesetzt
("Schmutzstück aus der Feder eines jüdischen Autors").
Ehe (der Erkenntnis von 1902: "Übrig bleibt die grauenvolle,
aber nie ausbleibende Einsicht: man hätte einander lieber nicht finden sollen"
folgt 1903 die Heirat mit Olga Gussmann, Scheidung 1921);
Sohn (Heinrich: wird Schauspieler und Regisseur);
Tochter (Lili: Selbstmord in Venedig – Schmerz,
den Schnitzler nicht verwindet:
"Mit jenem Julitag war mein Leben doch zu Ende.").
"Von Einsamkeit gequält, sehnen sich seine Helden nach der Frau. […]
Enttäuscht werden sie allemal: Nirgends spüren sie ihre Einsamkeit
schmerzhafter als im Bett der Geliebten. So wenden sie sich
rasch von ihr ab, um das Glück bei der nächsten zu suchen.
Doch die Liebe bleibt ihnen versagt. […]
Er war, wie kaum ein anderer Schriftsteller,
ein erotischer Zeitkritiker und ein zeitkritischer Erotiker."

(Marcel Reich-Ranicki)
Die ANATOL-Einakter
entstanden zwischen 1886 und 1892.
Sieben davon fasste Schnitzler zu einem Zyklus zusammen,
den er 1893 auf eigene Kosten publizieren ließ.

ANATOL Ich bin eifersüchtig wie ein Narr.
Der erste wie der letzte Atemzug meiner Liebe ist die Eifersucht.

 


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